Die wachsende Bedeutung von Remanufacturing im Aftermarket

Remanufacturing (dt. Refabrikation), oder kurz Reman genannt, bezeichnet den industriellen Aufarbeitungsprozess von Altteilen. Gebrauchte Teile, wie zum Beispiel Motoren, Getriebe und Hydraulikkomponenten werden vollständig zerlegt, geprüft, wiederaufbereitet und somit auf den Qualitätsstandard eines Neuteils gebracht.

Reman beruht auf zwei Annahmen:

  • Dass die überarbeiteten Teile qualitativ vergleichbar mit Neuteilen sind
  • Dass die überarbeiteten Teile deutlich günstiger einzukaufen sind

Dazu wird das Produkt inspiziert, auseinandergebaut und anschließend wiederaufbereitet, wobei gegebenenfalls defekte Bauteile ausgetauscht werden. Das Produkt wird daraufhin wieder zusammengebaut, bevor es die Qualitätssicherung und Tests durchläuft, damit es den Spezifikationen entspricht und von hoher Qualität ist.

Das Thema hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Gab es in der Vergangenheit nur wenige Anbieter zur Aufarbeitung von Cores (gebrauchten Teile), haben sich mittlerweile einige Unternehmen auf entsprechende Prozesse und Beratung spezialisiert.

Dies hat mehrere Gründe:

  • Zunehmender Preisdruck und wachsende Konkurrenz im Aftersales und Service
  • Kostengünstiger Einkauf entsprechender Teile
  • Ressourcenschonung durch Wiederaufbereitung

Kunden profitieren von verminderten Preisen und Hersteller, Händler und Zulieferer von einem neuen Marktsegment und einer Erweiterung ihres Produktportfolios. Neben strategischen Vorteilen sind auch die Gewinnspannen höher.

Hohe Prozessanforderungen an die Refabrikation

Gleichzeitig zeigt sich, dass die Etablierung von Reman-Prozessen sehr anspruchsvoll ist. Das hat verschiedene Ursachen:

  • Logistik

Altteile (Cores) müssen gesammelt und zur Aufbereitung geliefert werden. Dazu müssen Teile gesammelt, beschriftet, verpackt und an zentrale Sammelstellen verbracht werden. Vor allem bei Unternehmen mit weitreichenden Händler/Werkstattnetzwerken oder vielen kleineren Kunden kann die Organisation einer entsprechenden Logistikkette sehr aufwändig werden.

  • Dokumentation

Teile müssen nach Ankunft beim Wiederaufbereiter identifiziert, dokumentiert, gereinigt und auseinander gebaut werden. Dazu ist eine umfassende, aktuelle Dokumentation über die Baugruppen, Module und Teile notwendig. Vor allem kleinere Unternehmen tun sich hier schwer.

  • Prozessgestaltung

Die Prozessgestaltung in der Aufarbeitung muss an die Art und Variantenvielfalt der Alltteile angepasst werden und ganz stark auf die Wirtschaftlichkeit des Prozesses ausgerichtet sein, d.h. die Kosten des technischen Aufwands sollten die Einnahmen durch die Refabrikate nicht übersteigen.

Insbesondere die Überprüfung der Altteile kann hier schnell zur Herausforderung werden, da sie aktuell meist über manuelle Sichtdiagnosen durchgeführt wird, die besonderes spezifisches Know-How erfordert, also eine ausreichende Qualifikation der Mitarbeiter.

Neue Technologien optimieren die Prozesse und machen Reman erschwinglich

Moderne Technologien wie Computer Vision, Deep Learning und Künstliche Intelligenz (KI) können dazu beitragen, dass Prozesse stärker automatisiert werden können und weniger durch manuelle Identifikationsprozesse gebremst werden.

Daraus ergeben sich zwei wesentliche Vorteile:

  • Die Identifikation und der Inbound-Prozess werden deutlich beschleunigt

Durch automatische Identifikation von Bauteilen, Komponenten und Baugruppen durch entsprechende Lösungen kann die Identifikation von Cores im Durschnitt von 12 Minuten auf 3 – 15 Sekunden verkürzt werden.

Die Identifikation der Cores ist der erste Schritt in der Prozesskette. Erst nach der Identifikation kann mit Auseinanderbau, Reinigung und Wiederaufbereitung begonnen werden. Zeiteinsparungen schlagen hier auf die komplette Prozesskette nieder und bringen echte Prozessoptimierungen und damit Kosteneinsparungen.

  • Die Identifikation der Cores wird auch unabhängig von Dokumentationen möglich

Die Identifikation der Cores erfolgt über künstliche Intelligenz – und ist unabhängig von Handbüchern, Dokumentationssystemen und anderen Werkzeugen, die vor allem in kleineren Organisationen meist nicht in der benötigten Qualität zur Verfügung stehen.

Durch den Einsatz entsprechender Technologien kann trotz Lücken in der Dokumentation mit der Etablierung von Reman-Prozessen begonnen werden. So werden die Potentiale des Reman auch für kleinere Unternehmen nutzbar.

Die Einsatzmöglichkeiten reichen von der Kommissionierung, über die Montage bis hin zur Endkontrolle.

Sie beschäftigen sich mit der Etablierung oder Optimierung von Reman Prozes­sen?

Gerne besprechen wir in einem persönlichen Beratungstermin welche Erfahrungen wir in verschiedenen Reman-Projekten gemacht haben. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

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